Die Bernardus-Standarte

Von Wunsch und Wirklichkeit

Zug zum Denkmal 2012

Zug zum Denkmal 2012

Den Wunsch, eine eigene Standarte zu besitzen hat wohl ein jeder Schützenverein – der eine mehr, der andere weniger. Wir Bernardiner gründeten uns als neuer Zug und konnten somit an keine „Vorarbeiten“ älterer Züge anknüpfen; dennoch bestand bereits vom ersten Tag an der feste Wunsch eines Tages über eine eigene Standarte verfügen zu können.
Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Bestanden wir zu Beginn der Zuggeschichte noch komplett aus Schülern, war an die Finanzierung einer eigenen Standarte gar nicht zu denken – kostet solch ein Prachtexemplar doch schnell über 2.500 €. Bei manch älterem Zug war dies bis zum heutigen Tage wohl das Haupthindernis zur Anschaffung eines solchen Zugsymbols.

Nicht so bei uns: Bereits kurz nach der Gründung kamen die Planereien auf und nachdem die Finanzierung der eigenen Uniformen in die Wege geleitet war, beschloss man im April 1999 ehrgeizig den stolzen Vorsatz, bis zum Jahr 2000 eine eigene Standarte anzuschaffen. Dies sollte allerdings nicht aus eigener Tasche geschehen, sondern durch Spenden von Freunden und Gönnern finanziert werden. Begonnen mit dem Sammeln wurde auf dem Königsehrenabend von Lars Hildebrandt im Juli 1999, wo immerhin schon stolze 800,- DM zusammen kamen. Ein Grundstock, der mutig machen sollte.

Im Jahr 2000 wurde man nicht müde. Auf so manchem Treffen sammelte der „Chef-Standartenbekloppte“ Franz-Josef das Kleingeld aller Anwesenden für die Standartenkasse ein (Remember Champions-League Abende!), es wurde ein „Bettelbrief“ geschrieben und bei einem Sportverlag wurden Bernardus-Nadeln in Auftrag gegeben, deren Erlös ebenfalls für die Standarte verwendet wurde.

Von der Skizze zur Standarte

Auch die Planungen schritten voran: Mit Digitalkamera und Skizzenblock bewaffnet zog man auf Motivsuche durch Grevenbroich. Die vorläufige Collage wurde so auf einer spontan einberufenen Samstagabend-Sitzung bis drei Uhr nachts zur Grundlage einer Diskussion über Motiv und Farben. Ein Teil des zukünftigen Motivs ist daher hier abgebildet: der Bernardus-Turm. Nun konnten wir einen endgültigen Entwurf unserer Pläne zu Papier bringen und uns Angebote diverser Fahnenfabriken einholen.

Scan der Werkszeichnung für die Bernardus-Standarte.

Scan der Werkszeichnung für die Bernardus-Standarte.

Zwar wurde es nichts aus dem noblen Vorsatz, im Jahr 2000 mit eigener Standarte durch die Grevenbroicher Straßen marschieren zu können, doch herrschte darüber keine Enttäuschung. Im Gegenteil: dies spornte uns noch mehr an und so sammelten wir auch auf den folgenden Veranstaltungen für unsere Standarte.

Und so schritten die Vorbereitungen in aller Stille voran: nachdem die Angebote eingeholt waren, entschieden wir uns für die Fahnenstickerei Meinel – unter anderem, weil sie damals einen Laden in der Kölner Innenstadt betrieben haben. Ein paar Wochen nach unserer Zusage erhielten wir einen Karton mit den „Werkszeichnungen“ unserer abgelieferten Entwürfe in Originalgröße.

Feinschliff am Kunstwerk

Und hier trat Jan auf den Plan. Da er als angehender Grafiker in Sachen Technik aus dem Vollen schöpfen konnte, digitalisierte er die 1 x 1 Meter großen Vorlagen um so die Änderungen digital am Rechner vornehmen zu können. Zu diesem Zweck wurde dann auch eine abendliche Sitzung von Tocki und Jan einberufen, bei der die beiden am Monitor von Jans Arbeits-Mac die in der Diskussion stehenden Teile der Entwürfe entsprechend bearbeiteten. So vorbereitet traten dann am 21. Mai 2001 Daniel Tockhorn, Jan Wosnitza und Ulrich Herlitz als Berater den Weg nach Köln zum Büro der Firma Meinel an und gaben somit den „offiziellen“ Startschuss.

Die Änderungen im Vergleich zur Werkszeichnung mal animiert.

Die Änderungen im Vergleich zur Werkszeichnung mal animiert.

Ein Beispiel für die Änderungen an der Werkszeichnung ist hier im Bild rechts veranschaulicht: Da der Namenspatron unseres Jägerzuges, der heilige Bernhard von Clairvaux auf der Werkszeichnung (siehe oben) lediglich in Schwarz-Weiß abgebildet war, wurde ihm in PhotoShop ein buntes Gewand „angezogen“. Zeitaufwand hierfür: ca. 5 Stunden.

Die Elemente des Original-Entwurfs unserer Standarte zeigen: oben in der Ecke das alte Jülicher Schöffensiegel von 1308, welches auf der fertigen Standarte in Gold gestickt ist. Das Hauptmotiv besteht aus unserem Namenspatron Bernhard von Clairvaux; fotografiert mittels Digitalkamera in der Kirche St. Stephanus Grevenbroich-Elsen und dem Turm des ehemaligen Grevenbroicher Wilhelmiten-Klosters, im Volksmund auch Bernardusturm genannt. Auch dieses Bild wurde mittels Digitalkamera aufgenommen.

Verbunden werden die beiden Bestandteile des Hauptmotivs von einem Banner (aus Word), in das mit der Frakturschrift „Cloister Black BT“ der Name unseres Patrons geschrieben wurde.

Umfangreiche Recherchen wurden hierfür von unserem „Kirchenhistoriker“ in spe alias Daniel Tockhorn betrieben, der mittels Internet und auch Dank der Pfarrbücherei St. Stephanus Elsen und der Mithilfe des dortigen Pfarrers, Herrn Heinrich Scholl, schnell beachtliche Resultate verzeichnen konnte, die bei der Erstellung der Standarte entscheidenden Einfluss hatten.

Der große Tag (Teil 1)

Nach einigen Wochen des Wartens war es dann so weit: Drei Wochen vor dem Schützenfest kam der Anruf, dass die Standarte in Köln zur Abholung bereit stand. Nun war der lang ersehnte Tag gekommen. Die angesparten Geldbestände wurden abgehoben und Jan eilte Richtung Köln. Am selben Abend traf sich dann weit über die Hälfte des Zuges im Wachlokal um das neue Meisterwerk zu bewundern. Ungeteilte Freude und Begeisterung einten die Zugkameraden, die nun mit stolz ihren lang gehegten Traum, mit der eigenen Standarte durch die Straßen der Heimatstadt zu ziehen, Wirklichkeit werden sahen.

Die Standarte am Tag ihrer Lieferung.

Die Standarte am Tag ihrer Lieferung.

Der große Tag (Teil 2)

Monsignore Auel weiht unsere Standarte während des Gottesdienstes am Kirmessonntag 2001.

Monsignore Auel weiht unsere Standarte während des Gottesdienstes am Kirmessonntag 2001.

Der große Tag kam aber erst zum Grevenbroicher Schützenfest: Mit einer eigens geschneiderten schwarzen Umhüllung maschierten wir Sonntags in die Kirche ein. Dazu war der in unseren Augen einzig geeignete Bernardiner zum Standartenträger bestimmt worden: André Froitzheim.

In der Messe wurde die Standarte dann gegen Ende von unserem Kreisdechant Pfarrer Monsignore Wilfried Auel in einer schönen Zeremonie geweiht.

Besonders blieb uns der Moment im Gedächtnis haften, als Monsignore Auel für einen Moment aus dem Protokoll der eigentlichen Weihe ausbrach und frei über das Leben und Schaffen des Bernhard von Clairvaux zu berichten wusste – ein weiterer Verdienst guter Vorarbeit unserer Messdiener- und KjG-Mittelsmänner.

Vorstellung der Standarte am Kirmessonntag 2001.

Vorstellung der Standarte am Kirmessonntag 2001.

Beste Kontakte zum Vorstand des BSVs und insbesondere zu dem in jenem Jahr amtierenden Schützenkönig Norbert I. Tockhorn ermöglichten eine weitere Besondereit: Uns wurde die Möglichkeit eingeräumt, während des Programms am Sonntagmittag unsere Standarte auf der Bühne im Zelt zu präsentieren und nochmals vorzustellen.

Diese Aufgabe wurde von unserem Fahnenträger André Froitzheim und den beiden Offizieren Michael Gallus und Bernd Pannes (hier im Bild) übernommen, während unser Ehrenmitglied Ulrich Herlitz am Rednerpult die Details unserer Standarte vorstellte.

Alles in allem können wir jedem Verein nur eines raten: Egal, ob es das Budget hergibt oder nicht – eine Standarte ist ein Symbol für den Zug und die Zukunft!