Epidemie in Grevenbroich

Kirmesfieber (Kir | mes | fie | ber): Krankhaftes und suchtverwandtes Symptom der Vorfreude. Es äußert sich in Symptomen wie verstärkten Telefonaten oder E-Mails, Schlaflosigkeit, immenser Anspannung und der Freisetzung ungeahnter Energien.

Nächtliches Stilleben vom Fackelbau 1999 in den Buckau-Hallen.

Nächtliches Stilleben vom Fackelbau 1999 in den Buckau-Hallen.

Erste Anzeichen sind mitunter schon während des Frühjahrs zu erkennen, wenn sich die Betroffenen vornehmlich abends in Hallen einschließen und gemeinsam an seltsamen Konstruktionen werkeln, die zum Höhepunkt der Erkrankung hell erleuchtet mit einem Auto durch die Straßen gezogen werden. Der Fachmann spricht hier auch von „Fackelbau„.

Besonders akut wird diese Erkrankung Mitte bis Ende August und findet ihren Höhepunkt am ersten Septemberwochenende, wenn sich der Erkrankte bei reichlichem Konsum von Kaltgetränken in grüne Gewänder hüllt und gemeinsam mit anderen mehr oder weniger stark Erkrankten zu seltsamer Musik (in Fachkreisen Marschmusik genannt) durch die Straßen zieht. Dieser Zustand hält ca. 4 – 5 Tage an, wonach die Erkrankung im Normalfall auf ein für die Umwelt erträgliches Maß zurückgeht.

Trainingseinheit 1997 für den fehlerfreien Parademarsch.

Trainingseinheit 1997 für den fehlerfreien Parademarsch.

Es kann in Einzelfällen vorkommen, dass das Kirmesfieber im Laufe der Jahre mitunter ernstzunehmende Ausmaße annehmen kann, die für nicht Infizierte teilweise nicht mehr nachvollziehbar sind. Besonders auffallende Vorkommnisse dieser extremen Form des Kirmesfiebers werden bei kurzzeitigen Ausbrüchen „König“ genannt. Chronische Fälle bezeichnet man landläufig als „Vorstand“. Eine vollständige Heilung ist aus heutiger medizinischer Sicht ausgeschlossen, sie soll aber in Einzelfällen durchaus schon vorgekommen sein.

Befallen werden erstaunlicherweise hauptsächlich männliche Wesen. Man munkelt aber, dass dieses Virus in Einzelfällen auch auf das weibliche Geschlecht übergreifen kann. Zwar sprechen manche bei dieser „Krankheit“ verächtlich von der „Schützenseuche“, doch sind derartige Übertreibungen weit gefehlt, da das Phänomen Kirmesfieber im Großen und Ganzen doch weitestgehend harmlos verläuft.